DEUTSCHLAND KONTERKARIERT TIERSCHUTZRICHTLINIE

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DEUTSCHLAND KONTERKARIERT TIERSCHUTZRICHTLINIE

sieht sich gern als leuchtender Vorreiter im europäischen – auch zum Thema Tierversuche. Tatsächlich aber verstößt das „Land der Gesetze“ in gleich 18 Punkten gegen europaweit geltende Richtlinien.

Jährlich werden fast drei Millionen in Deutschlands Forschungslaboren (»Zahlen von 2014) genutzt – darunter Mäuse, Ratten, Meerschweinen, Schafe, , Hunde, Kaninchen und Katzen. Übernimmt das Land Verantwortung für diese Tiere? Wir von der Welttierschutzgesellschaft haben uns gefragt, wie es in Deutschland um Tierversuche steht und die Ergebnisse für Euch zusammengefasst:

Urteilt man nach dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), scheint Deutschland auf einem guten Weg zu sein. So sei es langfristiges Ziel, Tierversuche komplett zu ersetzen, alternative Methoden zu fördern und die Anzahl verwendeter Tiere kontinuierlich zu senken. In diesem Zusammenhang ist vor allem von der »EU-Versuchstierrichtlinie 2010/63/EU die Rede.

Wie Dr. Christoph Maisack in einem 125-seitigen Bericht für Bündnis 90/Die Grünen dokumentiert hat, sieht das der Gesetzgeber aber scheinbar anders. Deutschland nutzt genau diese Richtlinien für Abschwächungen der bereits vorhandenen Gesetzgebung. Der Amtsrichter stellte gleich 18 Verstöße gegen geltendes Gesetz fest.

joana

 

Zwei Beispiele

Tierversuche zur Aus-, Fort- oder Weiterbildung müssen nicht genehmigt, sondern nur angezeigt werden.
Ob als Bestandteil des Medizin- oder Biologiestudiums oder während der Ausbildung zum Tierpfleger: Eingriffe zu Ausbildungszwecken an gezüchteten und zuvor getöteten Tieren sind Pflichtbestandteil für Studierende an deutschen Universitäten. Doch gerade die Zahl der alternativen Verfahren auf diesem Gebiet der Aus-, Fort- und Weiterbildung wächst kontinuierlich. Aus diesem Grund hat die EU-Tierversuchsrichtlinie die Experimente unter Genehmigungspflicht gestellt. Sie werden europaweit also nur erlaubt, wenn die Schaden-Nutzen-Analyse es rechtfertigt und letztlich keine Alternative vorhanden ist. In Deutschland reicht für die Genehmigung hingegen schon eine Anzeige bzw. Meldung über eine geplante Durchführung. Die Prüfbehörde hat dann 20 Tage Zeit, den Tierversuch zu stoppen. Bearbeitet die Behörde den Antrag nicht binnen dieses Zeitraumes, darf der Tierversuch – auch ohne Genehmigung – beginnen.

Angst wird nicht als Belastungsfaktor berücksichtigt.
Die EU-Tierversuchs-Richtlinie sieht im Fall von Schmerzen, Leiden, Ängsten und dauerhaften Schäden einen schweren Belastungsfaktor für die Versuchstiere und ordnet eine umfassende Schaden-Nutzen-Abwägung für Versuche dieser Art an. In der deutschen Tierschutz-Versuchstierverordnung hingegen wird der Punkt „Angst“ nicht mehr erwähnt. Somit verzichtet Deutschland entgegen der EU-Richtlinien auf den Faktor Angst als Bewertungskriterium im Genehmigungsverfahren.

Weitere Verstöße und unsere Handlungsaufforderung an die Bundesregierung findet Ihr hier:

» http://welttierschutz.org/deutschland-konterkariert-tierschutzrichtlinie

 

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Welttierschutzgesellschaft

Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Mit Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie durch politische Tierschutzkampagnen in Deutschland schaffen wir die Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Haus-, Nutz- und Wildtieren. Wir arbeiten mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen und beziehen die lokale Bevölkerung in die Projektarbeit mit ein.
Welttierschutzgesellschaft

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