Vietnam: Gerettete Bärin kann ohne Vorderpfoten laufen

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Vietnam: Gerettete Bärin kann ohne Vorderpfoten laufen

Quelle: FOUR PAWS

Ninh Binh (Vietnam) / Hamburg, 19. Dezember 2017 – Eine von im November aus einer vietnamesischen Gallebärenfarm gerettete Asiatische Schwarzbärin kann trotz fehlender Vorderpfoten laufen. Das Tier namens Hai Chan entwickelt sich prächtig im von neu erbauten BÄRENWALD Ninh Binh im Nordosten Vietnams. Sechs Wochen lag haben Tierärzte und Tierpfleger von die geschwächte Bärin in der Quarantänestation des neuen Bärenschutzzentrums liebevoll aufgepäppelt. Nun durfte sie endlich einen Rundgang durch ihr großes, naturnahes Freigehege wagen.

Szilvia Kalogeropoulu, Tierärztin bei VIER PFOTEN:

„Der Moment, als die Türen zum Gehege aufgingen und Hai Chan ihre Nase aus dem Bärenhaus steckte, war für unser gesamtes Team sehr berührend. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte die Bärin auf Gras laufen. Sie bewegt sich auf der Unterseite ihrer Unterarme und sie hat sogar damit begonnen, auf ihren Armstümpfen zu laufen. Wir waren immer zuversichtlich, dass sie trotz Behinderung fähig sein würde, zu laufen. Aber dass sie so schnell die dafür nötige Kraft aufbaut, das grenzt an ein Wunder.“


Das gesamte VIER PFOTEN-Team ist überrascht, wie gut sich Hai Chan jetzt schon physisch und psychisch von ihrer furchtbaren Vergangenheit erholt hat. „Schon vom ersten Tag an konnten wir eine Verhaltensänderung an ihr beobachten: Sie hat sich von einer lethargisch und uninteressiert auf dem Boden ihres Käfig liegenden zu einer neugierigen und fröhlichen Bärin entwickelt. Sie ist glücklich und entspannt im Umgang mit den Tierpflegern. Sie mag es gemütlich und baut sich gerne ein Nest, in dem sie tagsüber schläft. Und sie liebt Spielzeug, in dem Futter versteckt ist, besonders Wasserspinat und Äpfel“, so Szilvia Kalogeropoulu.

Im Bärenhaus hat Hai Chan eine eigene, speziell für sie gebaute tiefe Hängematte, da sie nicht so hoch springen kann wie die anderen Bären. Außerdem hat sie extra viel Stroh auf dem Boden, damit sie weichen Untergrund zum Laufen hat, und ihr Spielzeug hängt tiefer. Abgesehen davon führt sie ein ganz normales glückliches Bärenleben. Sie kann mit ihren Armstümpfen problemlos Futter halten und sich ein Nest bauen. In Kürze will das VIER PFOTEN-Team versuchen, sie mit den Bären Thai Van und Thai Giang zu vergesellschaften. VIER PFOTEN hatte die beiden ehemaligen Gallebären am gleichen Tag wie Hai Chan aus einer Gallebärenfarm befreit und in den BÄRENWALD gebracht.

Hai Chans traurige Vergangenheit

Hai Chan musste bis vor ihrer den Großteil ihres Lebens qualvoll in einem winzigen Metallkäfig auf einer vietnamesischen Gallebärenfarm vegetieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden der Bärin beide Vorderpfoten amputiert und zur Produktion von Bärentatzenwein verwendet. Nicht nur die miserablen Haltungsbedingungen, sondern auch die mangelhafte Ernährung und die schmerzhafte Prozedur des Gallesaft-Abzapfens hatten der Bärin stark zugesetzt.

Quelle: FOUR PAWS

Das Geschäft mit dem Gallensaft

gilt seit mehreren tausend Jahren als Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin und ist bis heute ein begehrtes Produkt in vielen asiatischen Ländern. Obwohl in Vietnam Verkauf und Konsum von verboten ist, leiden dort noch immer geschätzt 1300 auf rund 400 Bärenfarmen, und der illegale Handel mit auf Vietnams Straßen, in TCM-Shops, auf Gallebärenfarmen und im Internet blüht.


Durch das regelmäßige brutale Abzapfen von Gallensaft und bedingt durch die fehlende medizinische Versorgung leiden die Bären an verschiedensten Erkrankungen wie Infektionen, Abszessen, Blutvergiftung und Leberkrebs. Die extrem schlechten Haltungsbedingungen auf den Bärenfarmen führen außerdem zu massiven Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung.

Gemeinsamer Einsatz gegen Tierleid

Im Jahr 2005 startete die vietnamesische Regierung eine Kampagne mit dem Ziel, Bärenfarmen flächendeckend zu schließen. Alle in Gefangenschaft lebenden Bären wurden mit Mikrochips versehen und registriert. Damit wollte man sicherstellen, dass keine neuen Bären mehr auf den Farmen aufgenommen werden. Die registrierten Bären gingen zwar in staatliches Eigentum über, doch die Bärenfarmbetreiber mussten sich weiter um sie kümmern – zumindest bis offizielle Behörden sie abholten und in lokale Auffangstationen brachten oder die Tiere verstarben. Zudem verpflichteten sich die Betreiber, nie wieder Gallensaft von den Bären zu extrahieren. 2017 bekräftigte die Regierung Vietnams nochmals ihre Pläne, Bärenfarmen endgültig zu schließen und Bären gezielt zu retten. VIER PFOTEN unterstützt dieses Vorhaben durch gemeinsam durchgeführte Rettungsmissionen und eine internationale Kampagne. Tierfreunde weltweit können eine unterschreiben, die die vietnamesische Regierung ermutigen soll, alles Nötige zu tun, um Bärenfarmen endgültig zu beenden: www.saddestbears.com/Vietnam. Knapp 600.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt.

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Presseportal

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