Daunen: gerupftes Leid

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Daunen: gerupftes Leid

Ob als kuschelige Deckenfüllung oder wärmendes Jackenfutter – besonders jetzt, in der kalten Jahreszeit steigt der Umsatz von Daunenprodukten wieder rasant an. Anders als Pelz – emotional und moralisch umkämpft – wird über Daunen weitaus seltener diskutiert – zu Unrecht! Denn entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass es sich dabei um ein Nebenprodukt der Fleischindustrie handelt, werden Daunen den Tieren häufig bei lebendigem Leibe ausgerissen.

Lebendrupf ist in der EU verboten – eigentlich …

Zwar gilt seit 1999 ein EU-weites Verbot für das Rupfen lebender Tiere, trotzdem darf – auch in – Gänsen während der sogenannten Mauser, der Zeit in der die Tiere natürlicherweise ihre Federn abwerfen und erneuern, das Gefieder „herausgekämmt“ werden. „Raufen“ wird diese Methode genannt. Doch obwohl sie legal und vermeintlich humaner scheint,  ist sie nicht unproblematisch. Zum ersten werden die Tiere meist nicht nach individuellem Mauserzeitpunkt selektiert und so kommt es vor, dass durch das schwere Lösen der Federn Hautfetzen mitausgerissen werden und schmerzhafte Wunden entstehen. Zum zweiten bringt der Raufvorgang das Tier – ganz gleich in welchem Stadium der Mauser – in eine unnatürliche Situation und Umgebung voller Angst und Stress, die im schlimmsten Falle den Tod hervorrufen kann.

Profitieren tun von dem dargestellten Schlupfloch, das das Raufen ermöglicht, vor allem die Daunenproduzenten, für die diese Methode ein lukratives Geschäft darstellt. Sie können die Tiere im Laufe ihres Lebens mehrmals „abernten“ anstatt nur einmal bei der Schlachtung.

So sind auch in Deutschland produzierte Daunen im Umlauf, die zwar unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben geerntet wurden, deren Produktion aber dennoch mit großen Qualen für die Tiere verbunden ist.

Deutschland importiert zudem gänzlich ohne Vorgaben

Da Deutschland mit rund 150 Tonnen nur einen kleinen Teil des jährlichen Bedarfs an Daunen selbst produziert, wird ein Großteil des Bedarfs – rund 16.000 Tonnen pro Jahr – aus dem Ausland importiert und hier weiterverarbeitet[i]. Hinzukommen kommen bereits verarbeitete Daunen, die unter anderem in Form von Jacken oder Outdoor-Schlafsäcken auf dem deutschen Markt landen. Hauptimporteure sind Asien und Osteuropa  – Länder, in denen der Lebendrupf, sei aus Mangel an Kontrollen oder aufgrund von Ausnahmeregelungen, oft die Standardmethode ist.

So dürfen beispielsweise Ungarn und Frankreich den Lebendrupf weiterhin anwenden, denn als „kulturelle Traditionen“ ist er hier dem vorrangig. Ermöglicht wird dies durch Artikel 13 des Vertrages von Lissabon, der neben kulturellen Traditionen auch religiöse Riten und sonstige regionale Gepflogenheiten als dem vorrangig definiert. Eine Art Freibrief, um diese Praktik weiterhin zu betreiben. Dazu kommt ein weiterer tierschutzrelevanter Aspekt: Insbesondere in Frankreich, aber auch in Ungarn und Bulgarien, betreiben viele Gänsefarmen neben der Daunengewinnung gleichzeitig die Produktion von Stopfleber, in deren Rahmen die Tiere zwangsgemästet werden.

Herkunftsgarantie? Genauer hinschauen lohnt sich

Der Verband der Deutschen Daunen- und Federnindustrie (VDFI) erklärte in einer Stellungnahme, die Bettfederindustrie arbeite ausschließlich mit Daunen und Federn, die als Nebenprodukte aus der Fleischerzeugung hervorgingen[ii]. Der Mauserrauf am lebenden Tier von Hand sei erlaubt, bedürfe jedoch strengen Auflagen und eindeutigen gesetzlich vorgegebenen Regeln.

Wie wenig aussagekräftig solche Erklärungen sind, zeigt sich in den mangelnden Belegen über die Herkunft der Produkte: Stiftung Warentest untersuchte zuletzt 2013 elf Daunendecken auf ihre Qualität und prüfte, inwiefern sich die Unternehmen an die Kriterien für soziale und ökologische Unternehmensführung (wobei auch Tierschutz eine Rolle spielt) halten[iii]. Das Ergebnis war ernüchternd: Ob Allnatura Figura, Galeria Kaufhof, Matratzen Concord, Sanders oder Traumina – weder konnte ein einziger Anbieter gegenüber Stiftung Warentest belegen, von welchen Höfen die Daunen kommen und waren somit auch nicht in der Lage Auskunft über die Haltungsbedingungen während der Mast zu geben oder mögliche Zwangsfütterung auszuschließen – trotz Herkunftsgarantien und Zertifikaten.

Welches Siegel verspricht was?

Zur Orientierung für den Endverbraucher hat die Bekleidungsindustrie Siegel und Zertifikate eingeführt. Denn ganz gleich ob die Daunen aus dem In- oder Ausland stammen, soll durch die Siegel neben einer guten Qualität auch die tierleidfreie Gewinnung gewährleistet werden.

Wir haben uns diese genauer angeschaut:

Traumpass & Downpass widmen sich hauptsächlich der Qualitätskontrolle der verwendeten Füllmaterialien. Lebendrupf ist generell verboten. Das Verbot von Zwangsfütterung, also Daunen als Nebenprodukt der Stopfleber-Produktion, und die Rückverfolgbarkeit bis zu den Elterntieren sind keine festen Bestandteile der Überprüfung.

Der Responsible Down Standard (RDS) ist initiiert von der Outdoor-Bekleidungsfirma The North Face und verspricht, dass die verarbeiteten Daunen ausschließlich von geschlachteten und tierleidfrei gehaltenen Tieren stammen, also weder durch Lebendrupf noch aus der Stopfmast gewonnen wurden. Genutzt wird das Label auch von Marken wie Adidas oder Jack Wolfskin. Die Kontrollen erfolgen durch eine unabhängige Zertifizierungsagentur.

Der Global Traceable Down Standard (Global TDS) ist der derzeit stärkste Tierschutzstandard in der daunenproduzierenden und -verarbeitenden Industrie und wurde von der Bekleidungsfirma Patagonia und Verbänden der Industrie initiiert. Das Siegelgeht über die Standards des RDS hinaus, da die gesamte Lieferkette – von der Brutphase der Tiere bis hin zur Schlachtung – kontrolliert wird (ebenfalls durch eine unabhängige Zertifizierungsagentur).

Zusätzlich gibt es noch firmeneigene Standards, wie den Down Codex der britischen Outdoor-Marke Mountain Equipment oder den Yeti Ethical Down Code. Sie schließen Lebendrupf und Zwangsmästung aus und versprechen nur Daunen als reines Nebenprodukt der Nahrungsmittelindustrie zu gewinnen. Die Kontrollinstanz ist allerdings das International Down and Feather Laboratory (IDFL) – ein Institut, in dem die Qualität der Federn getestet wird und das mit den Herstellern in einer Geschäftsbeziehung steht.

So kuschelig die Decken und Jacken sind, in Anbetracht der leidenden Tiere sollte den Konsumenten stets klar sein, was für ihre Konsumgüter in Kauf genommen wird. Welcher Hersteller wirklich Daunen, die Stopfmast- und Lebendrupf-frei sind verwendet, ist trotz Siegeln nicht immer zu 100% nachvollziehbar.

Das kannst Du tun – Alternativen

Die Welttierschutzgesellschaft spricht sich für eine Deklarationspflicht aus. Ziel muss es sein, eine obligatorische Rückverfolgbarkeit der Tiere bis zu den Elterntieren zu garantieren – in Deutschland und in den Exportländern. Der Ausschluss von Stopfmast, Lebendrupf und Mauserrauf muss gegeben sein.

  • Verzichte auf den Kauf von Daunen und Produkten, die Daunen enthalten.
  • Genutzt werden können verschiedene nachhaltigere und tierfreundlichere Naturmaterialien wie bspw. Bambus, Kapok, Hanf oder Schurwolle; Bio-Baumwolle ist aufgrund des hohen Wasserverbrauchs bei der Produktion allerdings wiederum nicht besonders umweltfreundlich.
  • Synthetische Isolationsmaterialien stellen zwar ebenfalls eine Alternative zu Daunen dar, doch sollte man bei der Anschaffung einer neuen Kunstfaserjacke auf die Nachhaltigkeits- und Umweltsiegel (z.B. bluesign®) achten.
  • Wenn Du nicht auf die Nutzung von Daunen verzichten möchtest. Schau genau hin! Entscheide Dich nach Möglichkeit für Produkte mit dem Global TDS Zertifikat. Bisher ist dies leider wenig verbreitet, es ist aktuell aber das Label  mit den stärksten Tierschutzstandards.

 

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Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Mit Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie durch politische Tierschutzkampagnen in Deutschland schaffen wir die Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Haus-, Nutz- und Wildtieren. Wir arbeiten mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen und beziehen die lokale Bevölkerung in die Projektarbeit mit ein.
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